Games-Förderung

Computer- und Videospiele sind eine der innovativsten kulturellen Ausdrucksformen und als Kulturgut anerkannt. Ihre Technologien und Mechanismen finden heute weit über den Kultur- und Unterhaltungssektor hinaus Anwendung, von der Automobilindustrie bis zum Gesundheitswesen. Im Vergleich zu Ländern wie Kanada, Großbritannien oder Frankreich, die umfangreiche, nachhaltige und erfolgreiche Games-Fördersysteme aufgebaut haben, ist Deutschland als Standort für Games-Entwicklung ohne entsprechende Strukturen auf Bundesebene bislang nicht wettbewerbsfähig. Zuletzt sank der Umsatzanteil deutscher Games-Entwicklungen in Deutschland auf nur noch 6,4 Prozent. Deutschland droht den Anschluss an die Entwicklung dieses Zukunftsmediums zu verlieren.

Deutschland braucht eine Games-Förderung

Deutschland braucht daher eine Förderung für Computerspiele. Nur so können gleiche Ausgangsbedingungen im europäischen Wettbewerb gewährleistet und die Potentiale der deutschen Games-Branche noch stärker genutzt werden. Mit einer Förderung durch den Bund werden weitere digitale Innovationen, neue Arbeitsplätze und kulturelle Impulse ermöglicht. Ohne Förderung verliert der Games-Standort Deutschland allerdings den Anschluss an die Weltspitze.
 
Ein starkes und wirkungsvolles Gesamtfördersystem muss aus drei Säulen bestehen: Für die erste Säule stehen Einzelförderungen und Prämierungen. Wir benötigen jetzt eine weitere Steigerung der Preisgelder des Deutschen Computerspielpreises (DCP) , den Ausbau der Prototypen- und Projektförderung sowie die Öffnung bestehender Investitions- und Förderprogramme auch für Games-Unternehmen.
 

 
Die ideelle Förderung ist die zweite Säule. Im Mittelpunkt stehen hierbei die bessere Vernetzung, Beratung und Sichtbarkeit insbesondere von kleinen Unternehmen und Startups der deutschen Games-Branche. Bestehende Angebote wie die Unterstützung bei Auslands-Messen müssen ausgebaut und um branchenspezifische Aspekte ergänzt werden.
 
Die dritte Säule existiert bislang nicht: Eine automatisierte, systematische und spezifische Förderung durch den Bund. Möglich sind ein steuerliches Fördermodell, eine Investitionszulage oder ein Förderfonds. Nur eine automatisierte Vergabe von Zuschüssen sichert eine nachhaltige Perspektive für Games-Produktion in Deutschland. Partizipieren müssen Start-Ups sowie kleine und große Entwicklerstudios gleichermaßen, um sowohl jungen Teams beste Startbedingungen zu geben als auch Leuchtturmprojekte mit hohem Kapitalbedarf und weltweiter Strahlkraft (AAA-Games) zu ermöglichen.
 
Im Bundestagswahlkampf 2017 wurde eine stärkere Unterstützung für Computer- und Videospiele durch den Bund parteiübergreifend gefordert. Unter anderem haben sich die Generalsekretäre für die Parteien sowie die Kanzlerin für die Bundesregierung auf der gamescom für eine Förderung ausgesprochen.

Eine Games-Förderung rechnet sich

Eine Games-Förderung durch den Bund wäre für den Bundesfinanzminister ein gutes Geschäft: Auf Basis der Daten der aktuellen und von der Bundesregierung unterstützten Studie zum Games-Standort 2017 ergibt sich für das erste Jahr zunächst ein notwendiges Budget in Höhe von 50 Millionen Euro. Erwartet werden in der Folge Hebeleffekte, die mit denen ähnlicher Fördersystematiken in anderen Ländern vergleichbar sind. In Frankreich werden mit jedem Förder-Euro 8 Euro zusätzliche Investition sowie 1,80 Euro zusätzliche Steuer- und Sozialabgaben geniert. Auf Deutschland übertragen, würden durch diesen Hebeleffekt 400 Millionen Euro zusätzliche Investitionen freigesetzt und das Steueraufkommen um rund 90 Millionen Euro steigen.

Maren Schulz
Leiterin Politische Kommunikation
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